Service selber machen beim 139 FMB Motor

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Service selber machen beim 139 FMB Motor

Beitrag von Tobias Rieper am Mi 16 Mai 2012, 12:03

Hallo liebe Gemeinde.

Ich hatte nun meine erste Inspektion machen müssen und habe hier im tiefsten Osten verzweifelt eine Werkstatt gesucht.
Meine erste Anlaufstelle war Honda. Ich war der Meinung, dass die sich mit den Honda-Nachbaumotoren auskennen müssten.
Die Reaktion vom Chef-Mechaniker und seinem Schreibtisch-Sklaven fielen nicht so dolle aus. Es kamen solche sachen wie
- "Och, das ist ja nur son Nachbau...hättest Du dir mal was vernünftiges kaufen sollen, Wir haben auch schöne 50er..."
Ich erwiederte: "Ja aber nur Roller, Sowas ist nur für Schaltfaule Schwachköppe, die nicht bis 4. Gang zählen können."
- "Naja den Service kann ich wohl machen, wenn Du mir die ganzen Daten besorgst, und Ersatzteile die anfallen."
Daraufhin hab ich zwar gesagt, dass es ok geht, aber bin nicht wieder hingefahren.
Dann die Freie Werkstatt wo ich die Reifen herhabe, hätten den Service gemacht. Haben auch das Fahrzeug nicht runtergemacht, aber der Chefmechaniker hat so einen Lustlosen Eindruck gemacht. Jemand der an einem Fahrzeug kein richtiges Interesse hat, lasse ich da nicht ran.
Habe dann mit Zweirad Arenz abgesprochen, dass ich aufgrund der mangelnden Werkstätten meinen Service selber machen kann mit ein paar anderen Auflagen, die ich hier nicht nennen werde.

Da ich nun doch dazu gezwungen bin, meine Service-Intervalle selber zu machen, wollte ich Euch dran teilhaben lassen.
Ich habe mir dafür alles bei Polo gekauft was ich brauche.
- Ölablaßschraube mit Magnet M12x1,5
- Kupferdichtringe M12 5er Set
- Zündkerze NGK C7 HSA
- Kerzenstecker NGK 90° Entstört
- Motorenöl 10W40 Teilsynthese 1000ml
- oder Motorenöl 10w40 Teilsynthese 4000ml
- Altölablassbehälter 8l fassungsvermögen
- Fühllehren für Ventileinstellungen

Lichtmaschinenseite: Linker Motordeckel
Schritt 1:
Motor warmfahren. ca 10 minuten fahren oder 15 minuten im Stand tuckern lassen. Fahrzeug gerade hinstellen (Hauptständer)
Dann stellen wir ein Auffanggefäß drunter. Ich habe ja den oben erwähnten Kanister. Jetzt drehen wir die Öleinfüllschraube auf und lassen diese locker auf dem Loch liegen. Der Einfüllstutzen ist rechte Motorseite hinten in richtung Schwinge dran. Dann die Ölablassschraube (Motorunterseite, Schraube in Fahrtrichtung Rechts) aufdrehen. Den Sicherungsring nicht verlieren!!! Kann man mehrmals verwenden.
Dazu noch die Steuerkettenspannerschraube (Motorunterseite, Schraube in fahrtrichtung links) Ist nicht zu verfehlen. (BILD KOMMT NOCH)
!!!ACHTUNG!!! die Steuerkettenspannerschraube hat spannung drauf. Mir ist die Schraube weggeflogen. Insgesamt kommt dort 1 Schraube, eine Feder und ein Metallröhrchen raus wo ein Gummipuffer dranne ist.
Jetzt läuft die ganze Brühe raus in den Auffangbehälter. Dieser sollte eine große Fläche haben und mindestens 1,5 Liter fassen. (es kommen knapp 0,7 raus) aber der mehrplatz im Behälter macht sich besser beim umkippen.

Schritt 2:
Motor ist leergelaufen und wir nehmen uns eine knarre mit 8er Nuss und einen Gummihammer. Dann machen wir uns an den linken Motorseitendeckel. Erstmal die Ritzelabdeckung ab. Sind 2 Schrauben. Machen wir gleich beim Seitendeckel weiter. Das müssten 5 oder 6 Schauben sein. Wer mag kann diese gleich durch V2A Imbus ersetzen. Gibts bei Ebay. Dann machen wir uns an den Schalthebel. Dieser hat M10er Schlüsselweite. Jetzt wirds knifflig. Wir brauchen einen Gummihammer. Mit diesem schlagen wir von unten und von Ritzel her an den Seitendeckel. Kontrollieren mit der Hand ob er sich langsam löst. Wenn er sich löst, kann man ihn einfach abziehen.
!!!VORSICHT!!! Die Grundplatte der Lichtmaschine ist im Seitendeckel. Daher hängt da ein Kabelstrang dranne!!! Am besten nen alten Baumwolllappen oder so drumwickeln und hängen lassen. Das ganze sieht dann so aus.

Die Lichtmaschine kann bei Euch anders aussehen. Dies hier ist die 2011er Manic 50.
Wie man sieht, hatte ich etwas Wasser im Limabereich. Es kann sich nur um Kondenzwasser handeln, da eine Dichtung verbaut war. Ich habe an der tiefsten Stelle noch ein weiteren ablauf eingepfeilt. Dann den Seitendeckel mit WD40 gespült und ausgewischt. Barry Fischer (Daxtuning) gab mir noch den Tip, das ganze innere inklusive Lima und Schwungmasse mit WD40 einzusprühen zwecks Rostvorsorge.
Dazu gehört auch die Kette vom Anlasser, die man sehr schön auf dem linken bild sieht. Wenn alles gereinigt ist, einfach Deckel wieder gerade draufstecken. Dichtung nicht vergessen falls vorhanden war.

Schritt 3:
Beim montieren des Lima-Seitendeckels darauf achten, dass die Dichtung sitzt. Am besten diese auf den Rumpf des Motors stecken und dann erst den Deckel drauf. Die Dichtung ein wenig mit Motorenöl benetzen, dann hält die sich besser am Motor beim Einbau. Die Schrauben haben verschiedene Längen, also bitte an die richtigen Stellen einschrauben. Über Kreuz anziehen. Ok ist kein richtiges Kreuz aber ihr wisst schon, was ich meine. Den Deckel vom Ritzel müsst ihr folgendermaßen anziehen: Beide schrauben reindrehen, bis ihr 2mm spiel habt. Also der Deckel sollte noch wackeln. Jetzt drückt ihr den Deckel mit der Hand ran, dann mit der kleinen knarre die obere schraube ganz leicht festziehen. Dann die untere ganz leicht nachziehen. Jetzt wieder die obere 1/4 - 1/2 Umdrehung, dann die untere, dann die obere, dann die untere... ist etwas doof, aber so zieht sich der Deckel gleichmäßig fest.
Denkt dran, es ist ein Alumotor, und der deckel auch. Der könnte schief werden, wenn ihr ihn erst auf einer Seite festknallt und dann die andere komplett festmacht.
Damit ist die Limaseite fertig und wir können uns an die Kupplungsseite machen.

Kupplungsseite: Rechter Motordeckel.
Schritt 1:
Bei einigen Fahrzeugen ist es nötig, den Fußrastenträger oder sowas vorweg zu entfernen. Bei der Manic ist es der komplette Rastenbock.
Als nächstes kommt dann der Kickstarter mit einer 10er Nuss. Für die Schrauben vom Seitendeckel wird wieder eine 8er Nuss gebraucht. Diesmal sind es 8 oder 9 Schrauben. gut merken wo welche hinkommt, da hier 3 längen verbaut sind. Denkt an die Ablaufwanne, diese muss richtig drunter sein. Es kommt nochmals ca 50-100ml aus dem Motor. Wenn ihr alle Schrauben wiederfindbar verstaut habt, zieht ihr einmal an dem Kupplungshebel und der Kupplungsdeckel wird sich abheben. Der Deckel hat vorne unten und hinten oben und hinten unten Metallnasen, an denen man ansetzen kann, um den Deckel abzubekommen. Ich brauchte nur vorne und hinten am einfüllstutzen anfassen und gerade abziehen. Es ging ansich ganz leicht. Da die Kickstarterwelle durch den deckel verläuft, müsst ihr ihn gerade abziehen ohne zu verkanten. Jetzt werdet ihr schon das Öl bemerken dass rausläuft. Mir fiel noch eine Metallhülse + Feder entgegen, diese gut aufbewahren!!!
Den Kupplungszug braucht ihr nicht aushängen. Einfach dranlassen und der baumelt dann am Zug und fällt nicht runter. Einfach nen Baumwolltuch drum und zwischen die Standrohre der Gabel klemmen.
Das ganze sieht dann so aus.


Schritt 2: Zentrifuge und Kupplung
Das ist nun also die Kupplung. Dieser Deckel mit den 4 Kreuzschrauben verschließt die Zentrifuge. Ich wollte Bilder ohne Deckel machen, hatte aber so ölige Finger, dass ich die Kamera nicht mehr anfassen wollte. Ihr nehmt wieder eine Knarre mit einem Kreuzbit der passt und haltet das Teil mit der linken Hand fest. Dreht die Schrauben raus und jetzt wirds knifflig. Auf 2 Seiten hat der Deckel Schlitze. Dort geht ihr mit einem Schlitzschraubendreher rein und dreht diesen einfach, der Deckel löst sich. Passt auf, hier ist eine Dichtung verbaut.

das helle Bild ist ausgeliehen von Zottelbock. Ich hoffe das geht in ordnung.
Nehmt nun am besten einen Lappen und ein paar ohrstäbchen und reinigt das innere von Resten. Vor allem hinter der Mutter mit Sicherungsblech verstecken sich gern Spähne vom Einfahren. Ist das ganze so weit sauber, nehmt ihr euch das Ölsieb vor. Dies ist direkt unter der Kupplung. Es ist schwarz und waagerecht eingeklemmt. Ihr könnt es einfach rausziehen. Sieb und Motorgehäuse auswischen und den Filter wieder reinstecken. Jetzt kommt das zusammenbauen.

Schritt 3: Zusammenbau
Die Dichtung der Zentrifuge mit frischem Öl benetzen und ansetzen. Deckel drauf und die 4 Kreuzschrauben über kreuz festziehen. Am besten wieder ganz sachte festziehen und die Reihenfolge mehrmals sachte wiederholen. Es ist halt alles Aluminium. Nicht dass der Deckel verzieht, oder nen Gewinde kaputtgeht. Jetzt zu den runtergefallenen Teilen. Ihr steckt ihr die Feder in der Mitte in das schwarze Kugellager und da drauf die Metallhülse.
Jetzt kommt die Dichtung vom Kupplungsdeckel. Diese wieder mit frischem Öl benetzen und am Rumpf anlegen. In 2 der Schraublöcher sind Hülsen drinne. Oben links und unten rechts. Seht ihr an den Aussparungen. Schiebt jetzt den Seitendeckel auf die Kickstarterwelle und schiebt den Deckel gleichmäßig rauf. Wenn der Deckel fast zu ist, habt ihr einen leichten Druck vorn, einfach eine Schraube ein paar umdrehungen reindrehen. Jetzt alle Schrauben bis auf 1-2mm festziehen. Achtet auf die Längen. Da es so viele sind, müsst ihr euch ein Kreuzmuster suchen.
Ich habe dafür keine Vorgabe gefunden.

Schritt 4: Öl einfüllen
Jetzt schraubt ihr die Ablassschraube wieder rein. Ich habe mir dafür eine mit Magnet gekauft. M12x1,5. Vergesst nicht den Dichtring wieder ranzumachen. Falls ihr ersatz besorgen müsst, es gibt Dichtringe aus Alu, Kupfer und Gummi. Die Gummis sind nicht gut wenns Friert. Die reissen, wenn es zu kalt ist und man an der Schraube dreht.
Nun zum Steuerkettenspanner. Ihr schaut nach dem Gummikopf auf dem Metallröhrchen. Dieser bekommt schnell eine vertiefung. Sollte dies so sein, dann tauscht ihn gegen einen neuen, bzw kauft den PEEK-Puffer von Daxtuning. Solltet ihr den nicht haben, verbaut den alten Puffer so, dass die Rille von rechts nach links geht. Bis ihr dann den ersatz habt.
Bei dem Metallröhrchen wäre noch zu beachten, am unteren Ende ist eine Kugel verbaut. Diese soll Druck aufbauen. Prüft bitte ob diese funktionsfähig ist. Dies könnt ihr so machen wenn ihr euch traut. Wischt Öl von dem Ende und setzt die Lippen an. Jetzt einmal pusten. Es sollte nach möglichkeit nicht gehen. Wenn doch noch luft durchgeht, ist da irgendwo dreck drinne. Wenn ihr dran saugt, ist das "Ventil" offen, das ist ok. Die Reihenfolge für den Einbau ist ganz einfach. Metallröhrchen mit dem Puffer nach oben reinstecken. Dann die Feder mit dem spitz verdrehten Ende nach oben. Die feder schaut nun halb raus. Setzt die Schraube von unten an und drückt die Schraube möglichst gerade in das Gewinde und dreht diese zu. Ist evtl etwas schwer, da sich die Feder sich etwas aus der führung biegen und drücken kann. Ist wirklich nicht schwer, nur ungewohnt. Bei mir war an der Schraube ebenfalls ein Dichtring verbaut. Ich habe ihn auch wieder verbaut. Ihr könnt aber auch flüssigdichtmittel nehmen. Auch diese beiden Schrauben sollten mit Bedacht angezogen werden. Nicht dass ihr ein Gewinde ruiniert.
Ist der Motor nun wieder dicht, nehmt ihr das Motorenöl und schüttet es im Kupplungsdeckel in die hintere Öffnung richtung Schwinge. Falls ihr kein Kontrollauge im Kupplungsdeckel habt, habt ihr einen 2. Deckel dran. dieser ist tiefer verbaut und hat ein Stäbchen dranne. Dieser dient zur Ölkontrolle. Beim Auge sollte der Stand ungefähr 3/4 des Auges betragen. Beim Stab sind markierungen dranne. Es sollen 800ml in den Motor. Ich habe 10W40 in Teilsynthese genommen, da es im Dax Werkstatt-Handbuch als Ganzjahresöl angegeben ist. Es gibt noch die Möglichkeit Sommer und Winter verschiedenes Öl zu benutzen. Darauf gehe ich jetzt aber nicht ein.
Wenn das Öl drinne ist, und der Stand stimmt, Einfüllstutzen schließen.
!!! Achtung nicht vergessen, wenn ihr den Motor anwerft, wird das Öl mit richtig Druck rausbefördert. Ist mir leider passiert und die ganze Schwinge samt Hinterrad und so waren voll mit Öl!!!
Jetzt lasst ihr den Motor 3-5 minuten im Standgas laufen. Danach 15 minuten stehen lassen und gucken ob der Ölstand dann genau mittig ist.
Auch darauf achten ob irgendwo Öl rausläuft oder komische Geräusche zu hören sind. Damit wäre der einfache Service am Motor abgeschlossen. Ich habe hierfür knapp 2 stunden gebraucht. Allerdings habe ich halt noch die paar Fotos gemacht und musste mich noch um den LiMa Deckel kümmern.

Ventile Einstellen:
Schritt 1:
Wird noch nachgetragen, wenn es bei mir so weit ist. Derzeit ist kein Bedarf dafür. Die Manic läuft sauber und daher werde ich keine unnötigen Arbeiten machen. Wenn mir jemand gute bilder und Bericht zukommen lässt, baue ich das hier gerne ein. Natürlich mit Herkunftsangabe.

Ich hoffe, das ich das gut geschrieben habe und es einigen Leuten weiterhilft. Evtl mache ich irgendwann nochmal mehr bilder rein. Falls einer noch Bilder hat die ich hier verwenden könnte, nehme ich diese gerne an.


Zuletzt von Tobias Rieper am Mi 16 Mai 2012, 18:07 bearbeitet; insgesamt 8-mal bearbeitet
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Re: Service selber machen beim 139 FMB Motor

Beitrag von Gast am Mi 16 Mai 2012, 14:04

Kein WD40 auf Ketten, das macht sauber und Entfettet ... Kette wieder Einfetten.

lala

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Re: Service selber machen beim 139 FMB Motor

Beitrag von Tobias Rieper am Mi 16 Mai 2012, 17:45

Das WD40 ist ein kriechöl. Barry sagte zu mir, bei der Anlasserkette langt das WD40, weil dort normal kein Wasser oder Dreck hinkommt.

Ich benutze das zeug auch, um das Mokick zu waschen. Nach jeder starken Regenfahrt wird die Manic einmal damit gewienert. Und das ist mir die 30 min Zeitaufwand wert. Einmal die Woche wird auf jeden Fall die Felge vorn gewischt wegen Bremsstaub.
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